Wasserkraft als Antrieb: Basel will Meilen­stein setzen

Auf der Kraftwerk­insel Birsfelden entsteht eine Produktions­anlage für Wasserstoff. Damit sollen LKWs angetrieben werden.

von Silvan Buchecker

Bereits im Juni soll der erste Wasserstoff-Lastwagen von Hyundai auf den Schweizer Strassen fahren. Visualisierung: Hyundai

Wer von erneuerbaren Energien spricht, meint meistens Solar- oder Windenergie. Doch auch die Wasserstoff-Technologie hat grosses Potenzial. Jetzt will Basel einen Meilenstein setzen. An vorderster Front sind die Energiedienstleisterin Industrielle Werke Basel (IWB) und die Fritz Meyer AG, eine Basler Mineralölhändlerin, die rund 50 AVIA-Tankstellen in der Region betreibt.

Die beiden Unternehmen sind bereit, zusammen fünf Millionen Franken zu investieren. Ihre Idee: Lastwagen mit Elektromotoren sollen Wasserstoff als Treibstoff nutzen. Dieser würde gemäss dem Vorhaben durch einen sogenannten PEM-Elektrolyseur – eine Anlage zur Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff – direkt beim Wasserkraftwerk Birsfelden hergestellt werden. 

Der Vorteil: Anstelle des klimaschädlichen CO2 würde lediglich Wasser aus dem Auspuff dieser Fahrzeuge kommen. Ausserdem würde zur Produktion von Wasserstoff «grüner» Wasserkraft-Strom verwendet. Vorteile gegenüber her­kömmlichen Elektro­fahrzeugen Die Elektrolyseur-Anlage in Birsfelden wäre die erste in der Region Basel und auch schweizweit eine der frühesten. Doch wie zukunftsträchtig ist das Projekt? 

«Die Mobilität wird sich in den nächsten Jahren stark verändern, insbesondere in Richtung CO2-Neutralität. Diesen Wandel wollen wir aktiv mitgestalten», sagt Thomas Bundschuh, Leiter Marketing und Vertrieb bei der Fritz Meyer AG gegenüber Prime News. «Wir sind überzeugt von der Wasserstoff-Technologie. Diese wird in Zukunft eine gewichtige Rolle in der Mobilität – zuerst beim Schwertransport und später auch beim Privatverkehr – einnehmen». Dies insbesondere da der Wasserstoff die Vorteile von Elektro- und Benzinmotoren vereine.  


Das Wasserkraftwerk Birsfelden. Hier soll der Spatenstich noch dieses Jahr stattfinden. Bild: IWB

So ist die Klimafreundlichkeit laut Bundschuh wie bei herkömmlichen Elektrofahrezugen ein grosser Vorteil. Gleichzeitig könnten durch die Verwendung von Wasserstoff als Antriebsenergie die bislang bestehenden Herausforderungen der Elektrofahrzeuge im Gütertransport – lange Ladezeiten, mangelnde Reichweiten und das Gewicht der Batterien – gelöst werden. 

Im Gegensatz zu herkömmlichen Elektrofahrzeugen würde der Strom nicht aus einer schweren Batterie stammen, sondern aus einer Brennstoffzelle, die Wasserstoff in elektrische Energie verwandelt. Einige Kilogramm Wasserstoff ermöglichen so Reichweiten von mehreren hundert Kilometern, so der Marketing- und Vertriebsleiter.

Dies sieht auch Thomas Schmidt, Professor am Labor für Elektrochemie des Paul Scherrer Instituts (PSI), als entscheidenden Vorteil gegenüber anderen erneuerbaren Energien. «Gleichzeitig ist erneuerbarer Wasserstoff als Treibstoff von enormem Vorteil, da er bei der Umsetzung in Brennstoffzellen nur Wasser liefert und eben kein CO2».  Dies sei besonders wichtig unter dem Aspekt, dass heute «der Mobilitätssektor in der Schweiz der grösste Treibhausgas-Emittent ist», so Schmidt.